Johannes Bornewasser

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Fahr’ drüber, es ist nur ein Hund!

29. März 2011, 13:15 Uhr

Es ist schon verwunderlich, wie Menschen zwischen dem allsonntäglichen Kirchenbesuch und dem Nachmittagskaffee mit der Familie zu feindseligen Wesen mutieren. Mit hassnaher Aggression werden Hunde gejagt und deren Besitzer verdammt. Und das am letzten Ort, an dem sich die Vierbeiner noch ungestraft frei bewegen dürfen. Vermeintlich.

Hund am Rhein 1

Hundedame Ally genießt die Freiheit am Rhein. Fotos (2): Johannes Bornewasser

“Warum schütteln Sie denn jetzt den Kopf”, fragt die Nachbarin die entrüstete Rentnerin am Rhein. Sie ist im Recht, glaubt sie, und lässt sich auf die Frage ein. “Na Ihr Hund hat da gerade unten auf die Wiese geschissen und Sie haben es nicht weggemacht.” Meine Zustimmung hat sie – fast. Denn der Konter meiner Nachbarin sitzt. “Oben am Weg oder auf der Straße hätte ich es sofort weggemacht. Aber da unten stehen Sie knietief in Schafscheiße. Da kommt es auf den Haufen meines Hundes nicht mehr an.” Die Rentnerin überlegt kurz und antwortet: “So habe ich das noch gar nicht gesehen. Da haben Sie wohl Recht.”

Die Düsseldorfer Rheinwiesen werden viele Monate des Jahres von Schafherden genutzt. Der Stadt ist es recht. Sie kann Pacht verlangen und dabei die Pflege der weiten Wiesen vernachlässigen. Doch etwas hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Wurden die Schafe bis vor einigen Jahren noch konsequent auf den Grünflächen gehalten, brechen sie immer häufiger aus der Herde aus und verunreinigen die Gehwege.

Spaziergänger haben sich stillschweigend damit abgefunden und meiden den völlig verdreckten Weg an einigen Tagen einfach. Und so lange es Geld bringt, stört es auch bei der Stadt niemanden.

Wenn nun jedoch ein Hund sein Geschäft gleich daneben erledigt, wird es spannend. Sieht das eine Streife des Ordnungs- und Servicedienstes (OSD), werden 75 Euro fällig. Zuzüglich beachtlicher Bearbeitungsgebühren.

Ich selber bin unfreiwillig zum Hundebesitzer geworden. Anfangs skeptisch, inzwischen jedoch überzeugt. Mich ärgert es ebenfalls, wenn Hundehalter die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner liegen lassen. So wird das vorherrschende Pauschalurteil gegen Hunde und deren Besitzer schließlich geschürt. Doch ich wehre mich gegen das Messen mit zweierlei Maß. Seitens der Stadt, seitens der Spaziergänger und seitens der Fahrradfahrer.

Gehen Eltern mit ihren jungen Kindern am Rhein spazieren, drosseln Radfahrer automatisch und ohne zu Murren ihr Tempo. Ist doch klar, schließlich sind kleine Kinder unberechenbar. Doch würden sie das auch für Hunde tun? Nie im Leben. Ganz im Gegenteil. Kürzlich machte ein Fahrradfahrer sogar einen Schlenker vom linken Wegesrand, um unseren rechts neben (!) dem Weg laufenden Hund zu erschrecken.

So sieht es aus, wenn die Schafherde den Weg passiert hat. Das scheint jedoch niemanden zu stören.

So sieht es aus, wenn die Schafherde den Weg passiert hat. Das scheint jedoch niemanden zu stören.

Es gilt das Recht des Stärkeren. Und sollte es zum Showdown kommen, zieht der Hund so oder so den Kürzeren. Wird er überfahren, ist er halt platt. Und lässt er sich auf einen solchen Angriff ein und schnappt zu, wird er wegen unkontrollierbarer Aggression eingeschläfert. Gut, dass sich unser Vierbeiner nicht provozieren lässt. Bei einigen Rassen sieht das jedoch anders aus. Ich bin gegen Kampfhunde. Aber Menschen, die völlig sinnlos den Beschützerinstinkt aus einem Hund herauskitzeln, finde ich deutlich schlimmer.

Und diese Menschen gibt es tatsächlich. Das Radfahrerbeispiel lässt sich beliebig erweitern. Alle paar Tage höre ich ähnliches von anderen Hundebesitzern. Doch nicht nur Radfahrer haben die Treibjagd eröffnet. Kürzlich musste ich miterleben, wie eine Joggerin meine Freundin absichtlich umrannte. Sie lief sehenden Auges auf sie zu und rempelte sie schließlich um. Platz genug wäre gewesen, schließlich passen problemlos bis zu sechs Personen nebeneinander auf den Weg, aber es musste offenbar ein Zeichen gesetzt werden: “Du und dein Hund, ihr gehört hier nicht hin!”

So ist es eben. Autofahrer hassen Fahrradfahrer und die können wiederum Fußgänger nicht leiden. Doch eines haben offenbar alle gemeinsam: das Feindbild Hund.

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