Einen grande Iced White Caffè Mocha to go, bitte!
25. April 2011, 19:45 Uhr
“Einen ‘Chai-Latte’ venti mit ‘Vanille-Flavor-Shot’ und ‘blended Cream’, bitte. Ach nee, ich nehme doch lieber einen ‘Iced White Caffè Mocha’ to go in tall. Obwohl, vielleicht gibt es ja auch einen GANZ NORMALEN KAFFEE?!” Mit diesen Worten versuchte ich einst eine Bestellung bei Starbucks aufzugeben. Ich wusste seinerzeit gar nicht was ein Chai-Latte ist. Ich wollte es nur einmal gesagt haben.

Entschuldigung, gibt's hier auch Kaffee? © Andreas Dengs (pixelio.de)
Das Aufeinandertreffen mit der pseudo-amerikanischen Lebenseinstellung, Verzeihung: dem “Lifestyle von overseas”, brachte mich ins Grübeln. Denn natürlich gab es keinen “ganz normalen Kaffee”. Jedenfalls nicht unter diesem Namen. Nach kurzer Belehrung von der über mein Unwissen sichtlich amüsierten Mitarbeiterin wurde mir ein “Coffee of the Week” dargereicht. Übrigens nicht wie bestellt in “normaler Größe”, sondern in “Grande”.
Belehrt wie ich nun war, wagte ich wenige Wochen später einen zweiten Anlauf: “Einen ‘Grande’ ‘Coffee of the Week’, bitte.” Es war ein Tag, der mir viel über das beibrachte, was hierzulande amerikanisch zu sein vorgegeben wird: Müssen einige Supermarkt-Mitarbeiter in Amerika ein laienspielhaftes Grinsen aufsetzen sobald sich ein Kunde auf wenige Meter nähert, scheint die Vorgabe für Starbucks-Mitarbeiter zu sein, das letzte Wort haben zu müssen.
“Teurer als ein Liter Super Plus anner Tanke”
Einige Unzen Eurostücke in der Hand, schritt ich zur Kasse. Doch nicht ich als Kunde beendete mit meiner Bestellung den durch ein schrilles “Heiiiiih” von jenseits des Tresens eingeleiteten Dialog. Ich glaube inzwischen, dass der Starbucks-Mitarbeiter als solcher in einem Amerikanisierungsbootcamp für Fertigkaffeefachverkäufer zwei Lektionen mit auf die weite Reise zu einer der gefühlt 600 Düsseldorfer Filialen gegeben bekommt: “Erstens: Jede Woche ist der normale Kaffe ein ‘Coffee of the Week’. Und zweitens: Lass den Kunden niemals davonziehen, ohne seine Bestellung in schlechtes Formenglisch gepresst oder eine peinliche Gegenfrage gestellt zu haben.” Und die Rückfrage kam prompt: “Soll ich etwas Platz für Milch lassen?”
Mitarbeiter der gehobenen Gastronomie würden dies nun für sehr aufmerksam halten. Doch genervt davon, offenbar nicht zu den Menschen zu gehören, die auch nur die simpelste Starbucks-Bestellungen fehlerfrei und ohne bösen Schluckauf zu Ende bringen zu können, rutschte mir folgende Antwort heraus: “Kollege, eure Plörre ist teurer als ein Liter Super Plus anner Tanke. Da wär’ es schon ganz nett, wenn der Becher wenigstens voll ist!”
Einmal noch musste ich Starbucks aufsuchen. Meine Chefin lud mich spontan zu einem Kaffee ein. Ich ließ sie bestellen. Die Angst, vor ihr bei der Bestellung in einem simplen Kaffeehaus angloamerikanischen Ursprungs zu versagen, war einfach zu groß.
Übrigens: In Düsseldorf gibt es auch Tchibo-Verkaufsstellen. Der Kaffee heißt “Kaffee”, schmeckt gut, kann noch so eben mit Kupfermünzen bezahlt werden, es gibt ihn “zum Mitnehmen” und vor allem wird er ohne Gegenfrage, Übersetzung oder blödes Grinsen über den Tresen geschoben. Einfach so. Prost!