Johannes Bornewasser

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Die Bahn kommt! Aber wann?

12. Juni 2011, 18:19 Uhr

Dezember 2010. Ich stehe in Berlin auf dem Bahnsteig und warte auf den ICE. Der Zug hat Verspätung. Obwohl der Hauptbahnhof die erste Haltestelle nach der Abfahrt am Ostbahnhof ist. Die Verspätung ist auf die Witterung zurückzuführen. Es ist so kalt, dass sogar Flugzeuge ausfallen und immer mehr Menschen in den Hauptbahnhof drängen.

ICE Deutsche Bahn

Viel zu oft unpünktlich: Ein ICE der Deutschen Bahn. Handyfoto: Johannes Bornewasser

Der Zug fährt schließlich ein. Die Wartenden drängen in die Waggons – und erleben eine Überraschung. Die reservierten Plätze sind belegt. “Da kam eine Durchsage. Es sind zwei Züge ausgefallen, deshalb ist Ihre Reservierung ungültig. Hat der Schaffner gesagt”, erklärt mir eine Reisende. Auf Nachfrage wird das bestätigt. Der Zug ist mittlerweile überfüllt, es wird schnell wärmer. Schließlich gibt es eine erneute Durchsage. Der Zug werde nun von Mitarbeitern der Bundespolizei geräumt. Sie sind wegen der aktuellen Terror-Warnung mit Maschinenpistolen bewaffnet. Das Bild, das sich so ergibt, ist grotesk. Mürrisch verlassen einige Reisende den Zug.

Der Weg führt schließlich in den Service-Point der Bahn. Nach Anhörung meiner Geschichte verschwindet die Mitarbeiterin. Ihre Chefin möchte das Ganze wenig später erneut hören. Sichtlich verwirrt geht auch diese weg und kommt erst nach einiger Zeit zurück. Sie entschuldigt sich im Namen ihrer Vorgesetzten. Diese sei für den gesamten Bahnverkehr in Berlin und Umgebung verantwortlich und habe nun weitergegeben, dass das Unternehmen auf diese Weise nicht mit den Menschenmassen fertig werde. Die Züge sollen ab sofort auch mit stehenden Fahrgästen losgeschickt werden. Für mich kommt diese Erkenntnis zu spät. Der Zug ist mit einstündiger Verspätung abgefahren. Ohne stehende Reisegäste. Die Bahnsteige sind entsprechend überfüllt.

Das Angebot, das mir die Mitarbeiterin im Namen der Bahn macht, ist akzeptabel. Ein Sitzplatz, zwar in einem langsameren Eurocity, dafür jedoch erster Klasse, sei noch frei. Er fahre einige Stunden später ebenfalls über Düsseldorf. Sie könne mich einbuchen. Die Wartezeit verbringe ich am Bahnsteig. Die DB-Lounge, für Kunden die erster Klasse reisen, ist wegen Umbaus geschlossen.

Die Euro-City-Fahrt endet am späten Abend. Erneut mit einigen Stunden Verspätung. Aber immerhin in Düsseldorf.

Alternative zu Auto und Flugzeug

Trotz dieses nur kurz skizzierten Extrem-Erlebnisses bin ich der Meinung, dass die Bahn innerdeutsch eine echte Alternative zu Flugzeug und Auto ist. In nur dreieinhalb Stunden bringt eine andere Eurocity-Verbindung Reisende von Düsseldorf nach Hamburg. Mit dem Auto ist diese Zeit undenkbar. Und auch eine Flugverbindung verschlingt durch das Ein- und Auschecken mehr Zeit.

Die Bahn ist vergleichsweise umweltfreundlich und je nach Zugtyp recht komfortabel. Dies sollte auch die Werbekampagne mit dem Titel “Die Bahn kommt” vor einigen Jahren suggerieren. Einsteigen, zurücklehnen und – was in dem Spot natürlich keine Erwähnung fand – Verspätung aufbauen.

Doch muss das wirklich sein? Niemand würde sich beschweren, wenn die Verbindung Düsseldorf-Hamburg planmäßig nicht mehr 3:30 Stunden, sondern 3:45 Stunden benötigte – wenn die Deutsche Bahn dadurch pünktlich ans Ziel fände. So wäre für den Kunden wieder eine fein abgestimmte Terminplanung möglich.

Aber natürlich ist es eine politische Entscheidung, eine Verbindung so kurz wie möglich anzugeben. Doch macht sie Sinn, wenn so immer wieder Kunden durch Verspätungen verärgert werden? Eine Antwort auf diese Frage wird es sicher nicht geben. Jedenfalls nicht zeitnah.

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